Etikette am Hofe

In der royalen Gesellschaft herrschen unausgesprochene Regeln, an denen sich jeder, ganz gleich ob Frau oder Mann, Diener oder Adeliger, sich zu halten hat. Welche sind daher wichtig zu kennen?
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Mentalitäten
Rechte der Frauen
Eine Dame widerspricht nicht, erhebt nicht das Wort gegen einen Mann, besonders nicht gegen ihren eigenen. Sie hat ansehnlich auszusehen und die Blutlinie fortzutragen!
 
Man(n) reduziert die Frau auf ihre Fruchtbarkeit und ihren Liebreiz. Etwas anderes ist, gerade am Hofe, nicht von Bedeutung. Sie fungiert als Bindeglied, um Allianzen zu anderen Häusern zu schmieden und dient, wenn auch nur im Hintergrund, als Beraterin ihres Mannes, soll ihn Zärtlichkeit lehren.
 
Dieses Frauenbild konnte nur schwer in den letzten Jahrhunderten weiterentwickelt werden, doch nachdem die Tochter des verblichenen Erzherzogs den Thron bestieg, begannen die Menschen allmählig ihre Denkweisen zu hinterfragen. Doch das ist noch nicht in vielen Köpfen angekommen und insbesondere die eigenen Töchter, Ehefrauen und Mütter leiden noch immer unter den Vorstellungen, wie sie zu sein haben.

Ehe & Liebe
Ehe und Liebe werden oft getrennt betrachtet. Das Eine ist Pflicht, das Andere Versuchung.
 
So darf eine Dame hohen Standes vor ihrer Hochzeitsnacht noch keine sexuellen Erfahrungen gemacht haben, muss jungfräulich sein, weswegen jede Liebschaft, die gegen das spricht, was sich für Dame und Hof schickt, geheim gehalten werden muss. Das gilt nicht nur für die Damenwelt! Noch heute gilt der Blutfleck im Bettlaken als Beweis ihrer vorherigen Unschuld.
 
Auch dürfen viele Edelleute sich nicht aussuchen, wen sie heiraten, ist es schließlich rein politisch. Manchmal werben Männer um die, die ihnen ins Auge stach. Doch am gebräuchlichsten ist die arrangierte Ehe, in der sich Braut und Bräutigam oft nie zuvor gesehen haben.
 
Die Frage der Sexualität stellt niemand. Es ist wichtig, Erben zu zeugen, Reichtümer weiterzugeben und neue Verbündete zu schaffen. Daher haben es vor allem homosexuelle Gesellen schwer, müssen sich anpassen und ihre wahren Empfindungen geheim halten, dürfen sie nicht ausleben.

Eine Sache der Ehre
Ein guter Ruf ist, insbesondere den höfischen Hohanen, sehr wichtig. Rang und Status, Ansehen und das Getuschel hinter dem Rücken. Jede Adelsfamilie versucht ein gutes Bild in der Öffentlichkeit, und vor anderen Aristokraten, zu erzeugen. Jeder Skandal und jedes noch so kleine schlechte Wort, könnte die glitzernde Fassade gefährden. Daher nehmen gerade Männer die eigene und die Ehre ihrer Familie sehr ernst und stehen dafür ein, bis der Schandfleck beseitigt ist, der ihre weiße Weste beschmutzt. Das kann gut und gerne in Duellen gegen andere Edelleute enden.
Gut zu wissen
Sittsames Erscheinungsbild
Das Haar stets hochgesteckt und kunstvoll frisiert, die Kleider lang und geschlossen bis zum Hals. Die Frau hat sich allweil vornehm und reserviert zu geben. Das gilt auch für ihr Aussehen. Besonders die Haare sind ein Symbol von Anstand und Intimität. So dürfen nur auserwählte Personen das Haar einer Dame offen sehen, beispielweise ihr Gatte oder andere vertraute Frauen, nicht aber die Öffentlichkeit. Diese unausgesprochene Regel gilt für Personal und Adel.
 
Auch die Männerwelt hat sich ordentlich zu präsentieren! Ordentliches Haar, glatte Kleidung, schick und doch manchmal auch gewollt etwas legere, doch bitte nicht zu viel!
 
Für das Gesinde gilt, sich allweil in schwarz, grau und weiß zu zeigen, wie es die Diensttracht Greifenhalls vorschreibt. Sich in privaten Kleidungsstücken den Hausoberen zu zeigen, schickt sich nicht. Die Diener haben in keinster Weise die hohe Hofgesellschaft in den Schatten zu stellen, noch dürfen sie sich aufreizend geben.
Das Züchten von Winterkrähen
Das gute Ansehen ist alles, was die Hohen interessiert. Statussymbole müssen her! Daher halten viele die einheimische vaarnelle (hoh. 'Schneeflügel'), ein Vogel mit weißem Gefieder und einem virtuosen Gedächtnis. Im Volk nennt man die Gattung auch Winterkrähe. Diese Tiere überragen ihre Verwandten deutlich an Größe und lassen sich mit der Statur von Rotmilanen gleichsetzen. Zwar sind sie nicht sonderlich selten, aber schwer zu pflegen: Die edlen Vögel brauchen Zeit, ehe sie ihren Eignern vollumfänglich vertrauen. In ihrer Ernährung hingegen zeigen sie sich überaus genügsam. Gut abgerichtete Winterkrähen werden häufig zur Übermittlung von Nachrichten genutzt. Befestigt man an ihrem Fuß einen Brief, kann man diesen einer anderen Person zukommen lassen. Obgleich es mittlerweile andere Wege gibt, vertrauen viele Herrschaften noch immer den Fähigkeiten ihres gefiederten Gefährten.
Die hier niedergeschriebenen Informationen sind nicht zwangsläufig historisch korrekt, sind sehr frei erzählt, komprimiert und mit eigenen Ideen gespickt. Beholden ist eine fiktive Welt. Wir bitten das zu berücksichtigen!