Blutzauber
Eine Magie, die längst vergessen ist. Alt. Selten. Inkomplett. Einst willkommen, nun verschmäht.
Was versteht man darunter?
Flakons - Das Arbeitende Blut
Blutmagie beschreibt eine uralte Kunst, gebunden an einen kleinen Flakon, der nicht zerstört werden kann. Um sich ihre Macht zu eigen zu machen, ist ein Ritus notwendig, in dem der zukünftige Träger ein Tribut zollen muss, der ihm teuer ist. Hier kann es sich um Erinnerungen, geliebte Menschen, das Augenlicht oder gar die Zeugungsfähigkeit handeln. Was gegeben wird, bestimmt der Träger selbst, doch es muss dem, was er erhält, mindestens ebenbürtig und klar formuliert sein.
Einmal gebunden, ist der Flakon untrennbar mit seinem Besitzer und dessen innerstem Willen verbunden. Kein anderer kann seine Kraft nutzen. Vererbt wird er nur durch Tod oder durch freiwilligen Verzicht in einem zweiten Ritual. Vorher lässt er sich nicht öffnen und neu befüllen. Der Flakon wird dabei häufig als Schmuckstück getragen oder sicher verwahrt (das Tragen des Flakons verstärkt die Magie).
Die Magie folgt einem von drei Attributen: zenthaar-kaar (Bewahrung), numael-kaar (Heilung) oder avenar-kaar (Verteidigung). Welches sich offenbart, hängt von den Beweggründen des Trägers ab.
Um Zauber zu wirken, fügt sich der Träger eine Wunde zu. Sein Blut wird dabei zum Werkzeug, geformt durch das, worauf sich die Magie geprägt hat.
Individuelle Prägung
Die besonderen Gefäße sind schwer zu erwerben und selbst für Adelssprösslinge oft unmöglich zu bekommen. Daher werden sie vorwiegend vererbt. Bürgerlichen gestattet man schon seit Jahrhunderten die Magie nicht mehr, doch es gibt noch immer Familien im Volk, die Erben eines solchen Artefakt sind. Vom Herstellungsprozess der Flakons selbst wissen nur wenige auserwählte Maestyr und es ist unklar, ob es noch Hüter des Geheimnisses gibt.
Ganz gleich auf welchem Wege man an einen Flakon gekommen ist, so wird es sein Potenzial in den Händen jeder Person verändern. Mensch und Yepharen prägen sich jeweils auf nur ein Attribut, das sich in unterschiedlichen Formen zeigen kann. Selbst mit einem weiterem Blutgefäß werden sie nicht in der Lage sein, eine andere Art der Magie anwenden zu können, als ihre eigene. Jede ist dabei so individuell wie der Eigentümer selbst, ganz wie ein persönlicher Fingerabdruck.
Wozu wird sie genutzt?
Blutmagie verfolgt meist selbstischen Beweggründen, die, je nach Veranlagung und Flakon abweichen können. So dient sie dazu, den Eigner zu schützen (offensiv o. defensiv) oder seinen Körper zu regenerieren.
Je nachdem, wie geübt der Zaubernde mit seiner Magie ist, gelingt es ihm sogar seine Fähigkeiten kurzweilig auf andere Personen anzuwenden und/ oder temporär zu übertragen. Dies erfordert aber jahrelange Übung. Jedoch sind Phänomene berichtet worden, dass starke Gefühle ebenso andere Lebewesen beeinflussen können, allerdings sehr impulsiv und unkontrollierbar.
Ashir va Keth naur - Das Ritual
Die Prägung ist ein Ritus mit vielen Namen: Der allgemeine Volksmund nennt es Blutvertrag, Unter Der Eid mit Herz und Tränen kennt es der Adel und in älteren Schriften ist die Rede vom Draah-naur, dem ungeschenkten Band.

Auszüge aus einem alten Tagebuch etwa 900 n.M.K., das Spuren mehrerer Jahrhunderte trägt. Übersetzt aus dem altHohanischen:
"16. November, Eerolhan. - - Ich hatte den Preis bezahlet. Die Nacht war mondlos, als ich meine Entscheidung mit pochendem Herzen gefaßt hatte. Niemand sah mich. Niemand hoerte mich. So wollen es die alten Schriften. Das Feuer entzuendete ich mit zittrigen Haenden aus Reisig, das ich selbst gesammelt hatte, unter Schweigen, wie gehiessen ward.
Auf das Blatt schrieb ich ihren Namen und darunter: "Ich gebe sie zum Tausch. Fuer das, woran ich glaube." Mein Blut tropfte schwer auf das Papier, wie auf reinen, unschuldigen Schnee. Der Wind stund stille, als ich es in die Flammen warf. Kein Laut, nur Knacken. Ich wagte nicht zu blinzeln, auch, als ich es wollte. Als das Feuer schließentlich erlosch, ganz von selbst, wie es muß, blieb nichts als Asche. Asche, die in goldenem Blut ertrank, als wuerde sie weiterhin brennen.
Ich sammelte sie mit nackten Fingern in den Flakon. Er war kalt, dann heiß, dann ward er fremd... Alles daran ist verboten. Das weiß ich auch. Doch als ich den Korken schloss, ward mir bewusst... Ich habe gewonnen und verloren, was ich liebe. [...]
Doch nicht alle haben dieses Glueck. Ein jaemmerlicher Narr aus Ysalim habe angeblich seinen ridikuel leeren Geldbeutel dargeboten. Zu leichtfertig. Zu einfach. Seine Asche soll in einem entseelten Grau geblieben sein. Als waere nichts geschehen. Man sagt, er habe sich die Zunge spaeter selbst herausgeschnitten. Andere soll der Unsegen getroffen haben. Der Flakon glomm rot, aber nicht guelden. Wunden heilten falsch. Die, die sie liebten, wendeten sich hasserfuellt ab. Der Flakon lebt, doch wirkt er wider sie. Das zumindest erzaehlte man mir vor meiner Reise, vielleicht auch, um mich davon abzubringen.
Ich wuerde meinen Pfand nie abtreten. Doch ich kenne das Manuskript und riet es meinem alten Gefaehrten aus Kindheitstagen. Will man verzichten, muß man es erneut tun. Bei Neumond entzuende ein Feuer, opfere, blute und hoffe, daß man gnaedig mit dir ist. Aber das, was man gab, das kehrt nie zurueck. [...]
Ich vermisse Dich oft Gunnora, mit allem, was ich bin, doch ich mußte es tun. Ich mußte es, ich mußte. Fuer Dich, fuer mich und fuer unsere Tochter. Ich hoffe, daß Du mir irgendwann verzeihen kannst, denn ich kann es nicht."
Die Flakons & ihre Attribute

Bewahrung
Der eigene (oder fremde) Schutz ist Nutzern dieser Blutmagie besonders wichtig. Sie verfügen über die Fähigkeit Leben zu beschützen. Dabei gibt es jene, die ihr Blut zu Schilden, zu Rüstungen, ja sogar zu abschirmende Hüllen formen können. Es ist sogar von Fällen die Rede, wo Träger ihre Peiniger mit ihrem Blut fesseln konnten.

Heilung
Unversehrtheit und Zerstörtes zu reparieren bilden das Herzstück dieses Attributs. Das Blut der Zaubernden wirkt wie ein Kleber, der Wunden schließen, Gegenstände flicken oder krankes Gewebe bei der Regeneration unterstützen kann.

Verteidigung
Sich selbst zur Wehr zu setzen, Hilflosigkeit abzulösen und autonom handeln zu können, dazu befähigt dieses Attribut. Manche formen aus ihrem Blut Waffen, andere modifizieren kurzfristig ihren Körper. Wieder andere können ihre Magie sogar mit der Umwelt kombinieren.